BAW 212: Tests, Zubehör und Events rund um den Geländewagen
Was kann der BAW 212 im Alltag und abseits der Straße?
Welches Zubehör ist sinnvoll, und wo kannst du den Geländewagen selbst erleben? Hier findest du Fahrzeugvorstellungen, Praxistests, Erfahrungen und Termine rund um den BAW 212.
Wir berichten transparent und unabhängig, schauen auf die Technik und zeigen die Stärken. Du erfährst, worauf es beim Fahren, bei der Ausstattung und im Gelände ankommt.
BAW 212 Video von Matthias Malmedie
In den vergangenen Tagen haben mich mehrere Anfragen zum aktuellen Video (https://youtu.be/J6lEHbrpicQ) von Matthias Malmedie über den BAW 212 erreicht. Hintergrund ist, dass ich mit Alexander Heß vom Autohaus Dambach den BAW 212 als Ersten in Deutschland unter realen Offroad-Bedingungen im OAN-Fahrtechnikgelände am Nürburgring getestet habe.
Mehrfach wurde ich deshalb gebeten, von Käufern und Händlern, mir das Video anzusehen und meine Einschätzung zu den dort getroffenen Aussagen abzugeben.
Meines Erachtens kommt Matthias Malmedie aus einer anderen journalistischen und fahrerischen Perspektive als ich. Das ist vollkommen legitim. Ein Fahrzeug kann und soll unterschiedlich bewertet werden.
Was mir bei einem solchen Vergleich allerdings wichtig ist: Ein Fahrzeugtest wird nicht nur durch Messwerte und technische Fakten geprägt, sondern ganz wesentlich auch durch ein indirektes negatives Wording und Rhetorik.
Natürlich darf und muss man Schwächen eines Fahrzeugs benennen. Ein Vergleich sollte meines Erachtens aber nicht dazu führen, dass eines der beiden Fahrzeuge bereits durch Wortwahl, Tonalität oder die Auswahl der Vergleichskriterien indirekt abgewertet wird.
Gerade wenn zwei Fahrzeuge aus völlig unterschiedlichen Preis- und Marktsegmenten miteinander verglichen werden, sollte man sehr genau darauf achten, welchen Maßstab man anlegt. Das entspricht auch unserem Ansatz bei Testing & Driving. Wir gehen nicht mit der Fragestellung an ein Fahrzeug heran: „Wo finden wir möglichst viele Schwächen?“
Uns interessiert zunächst: Was kann dieses Fahrzeug, wofür wurde es konstruiert, für welchen Einsatz eignet es sich und welche Zielgruppe spricht das Fahrzeug an?
Wir stellen die Stärken, die technischen Möglichkeiten und die realistischen Einsatzbereiche eines Fahrzeugs in den Vordergrund. Schwächen oder Grenzen werden dabei nicht verschwiegen. Sie müssen aber in Relation zum Fahrzeugkonzept, zum Einsatzzweck und letztendlich auch zum Preis betrachtet werden. Das ist für mich keine unkritische oder werbliche Betrachtung, sondern ein anderer journalistischer Ansatz.
BAW 212 gegen Mercedes G
Besonders wichtig ist mir zunächst die Einordnung des Vergleichs mit der Mercedes-G-Klasse. Man kann den BAW 212 mit einer G-Klasse vergleichen, gerade im Gelände. Beide Fahrzeuge verfolgen einen klassischen Geländewagenansatz und müssen sich dort an sehr ähnlichen fahrtechnischen Aufgaben messen lassen. Wer diesen Vergleich aufmacht, darf ihn nicht ausschließlich auf einzelne Fahreindrücke reduzieren.
Ein Vergleich BAW 212 gegen Mercedes G muss aus meiner Sicht mindestens zwei vollkommen unterschiedliche Bereiche berücksichtigen. Der erste Bereich ist die tatsächliche Geländekompetenz. Hier geht es um Traktion, Untersetzung, Differenzialsperren, Verschränkung, Böschungs- und Rampenwinkel, Steigfähigkeit, kontrollierte Abfahrten, Seitenneigung, Dosierbarkeit und die Beherrschbarkeit des Fahrzeugs in technisch anspruchsvollen Sektionen. Genau dort haben wir den BAW 212 getestet. Dort ist der BAW 212 ein ernst zu nehmender Geländewagen.
Der deutsche BAW 212 verfügt über einen Leiterrahmen, zuschaltbaren Allradantrieb, Geländeuntersetzung, Starrachsen beziehungsweise nicht unabhängig aufgehängte Achsen vorne und hinten und Differenzialsperren. Das sind keine optischen Geländewagenattribute, sondern klassische konstruktive Voraussetzungen für einen ernsthaften Offroader.
Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass er deshalb automatisch auf dem Niveau einer Mercedes-G-Klasse liegt. Es bedeutet aber genauso wenig, dass man ihn allein aufgrund seines Preises oder seiner Herkunft fahrtechnisch unterschätzen sollte.
Der zweite Bereich ist die Wertigkeit des Gesamtfahrzeugs. Dieser Punkt gehört für mich zwingend zu einem seriösen Vergleich.
Wer einen BAW 212 gegen eine Mercedes-G-Klasse stellt, muss auch über Verarbeitung sprechen: Materialien, Passgenauigkeit, Geräuschkomfort, Sitze, Schalter, Türen, Dichtungen, Lackierung, Unterboden, Korrosionsschutz, Leitungsführung, Langzeitqualität, Assistenzsysteme sowie Service- und Ersatzteilversorgung. Hier sprechen wir über Fahrzeuge aus vollkommen unterschiedlichen Preis- und Qualitätssegmenten.
Es wäre deshalb genauso falsch, den BAW 212 aufgrund guter Offroad-Eigenschaften einfach auf eine Ebene mit der G-Klasse zu stellen, wie ihn aufgrund einzelner Komfort- oder Verarbeitungspunkte als schlechten Geländewagen abzuwerten.
Einige Aussagen aus dem Video möchte ich sachlich einordnen bzw. richtigstellen.
„China-G-Klasse“ Der Begriff funktioniert natürlich als Überschrift und erzeugt Aufmerksamkeit. Historisch sollte man ihn aber nicht überbewerten. Der BAW 212 ist keine Fahrzeugidee, die erst als chinesische Antwort auf die Mercedes-G-Klasse entstanden ist. Die Geschichte des 212 reicht bis 1965 zurück. Die Mercedes-G-Klasse ging dagegen 1979 in Produktion. Der heutige BAW 212 ist eine komplette Neuentwicklung, greift aber bewusst die Historie dieser Baureihe auf. Man kann beim aktuellen Design Ähnlichkeiten und Anleihen bei verschiedenen klassischen Geländewagen erkennen. Daraus aber die Geschichte „chinesische Kopie der G-Klasse“ abzuleiten, greift mir zu kurz.
Der „deutsche“ Gegenpol
Auch hier lohnt sich eine sachliche Präzisierung. Mercedes-Benz ist selbstverständlich eine deutsche Marke. Die G-Klasse selbst wird jedoch nicht in Deutschland produziert, sondern seit 1979 bei Magna Steyr in Graz in Österreich gebaut. Wenn man also einen BAW aus China einem vermeintlich vollständig „deutschen“ Produkt gegenüberstellt und daraus zusätzlich wirtschaftliche Argumente ableitet, wird die Realität moderner internationaler Automobilproduktion schnell zu stark vereinfacht. Hinzu kommt: Auch der BAW verfügt in Deutschland inzwischen über einen Generalimporteur, Händler, technischen Support und eine Ersatzteilversorgung. Indimo beschreibt ausdrücklich ein deutsches Händlernetz sowie ein Zentrallager für Ersatzteile.
Motorleistung und Gasannahme
Der in Deutschland angebotene Diesel hat 1.968 cm³ Hubraum, 122 kW beziehungsweise 166 PS und 410 Nm Drehmoment. Dazu kommt eine Achtgang-Automatik. Der Grundpreis des Diesel liegt aktuell bei 41.850 Euro. Dass die Gasannahme beim Anfahren verzögert sein kann, ist für mich kein Punkt, den ich Matthias Malmedie absprechen würde. Auch andere Tester haben diese Anfahrverzögerung festgestellt. Wir werden genau diesen Punkt nochmals testen, sowohl auf der Straße, auf der Nordschleife als auch in Verbindung mit unserem weiteren Fahrprogramm. Was ich allerdings anders bewerte, ist die daraus entstehende Gesamtaussage über die Leistungsfähigkeit des Fahrzeugs. Ein Geländewagen wird nicht nach denselben Kriterien beurteilt wie ein sportlich ausgelegtes Straßenfahrzeug. Im Gelände interessieren mich Drehmomentabgabe, Übersetzung, Untersetzung, Traktion und insbesondere die kontrollierte Dosierbarkeit bei sehr niedriger Geschwindigkeit.
Das Fahrwerk sei extrem hart.
Das ist für mich keine Falschangabe, sondern zunächst eine persönliche Bewertung. Unsere Wahrnehmung war eine andere. Interessant ist dabei, dass auch andere ausführliche Tests zu einem anderen Ergebnis kommen. AUTONOTIZEN beschreibt den BAW auf der Straße trotz Leiterrahmen als überraschend komfortabel und kam auch nach rund 1.000 Kilometern Autobahnfahrt zu einer positiven Bewertung des Federungskomforts. Genau deshalb muss man zwischen einem persönlichen Fahreindruck und einer technischen Tatsache unterscheiden.
Automatik
Auch die Beschreibung einer „hektischen“ Automatik würde ich nicht als objektiv feststehende Fahrzeugeigenschaft übernehmen. In einem anderen Fahrtest wird die Achtgang-Automatik gerade umgekehrt als eher gemächlich beschrieben, die dabei aber zuverlässig die passende Übersetzung wählt. Das zeigt erneut: Unterschiedliche Fahrer können dasselbe Fahrzeug unterschiedlich wahrnehmen.
Apple CarPlay
Hier sollte man Matthias Malmedie dagegen nicht widersprechen. Der deutsche BAW 212 verfügt in der bisherigen Ausführung ab Werk tatsächlich nicht über natives Apple CarPlay oder Android Auto. Es gibt inzwischen technische Lösungen über entsprechende Dongles beziehungsweise Nachrüstlösungen, aber das ist nicht dasselbe wie eine serienmäßige Integration. Wenn wir eine Richtigstellung veröffentlichen, gehört für mich auch dazu, dort recht zu geben, wo eine Aussage stimmt.
Innenraum und Ausstattung
Über Materialanmutung kann man diskutieren. Man sollte aber auch hier das komplette Fahrzeug betrachten. Der BAW verfügt unter anderem über elektrisch einstellbare Vordersitze, Sitzheizung, einen großen zentralen Touchscreen und eine 360-Grad-Darstellung. Beim Fahrersitz gibt es darüber hinaus eine Massagefunktion. Andere Tests beschreiben Teile des verwendeten Kunstleders ausdrücklich als haptisch ansprechend und berichten selbst nach Geländefahrten von keinen auffälligen Knarz- oder Knistegeräuschen aus Karosserie und Innenraum. Damit behaupte ich ausdrücklich nicht, dass der Innenraum qualitativ auf dem Niveau einer Mercedes-G-Klasse liegt. Das muss er für mich bei diesem Preisunterschied aber auch nicht.
Genau deshalb werden wir noch einmal testen.
Die Diskussion um dieses Video hat bei mir eher das Interesse geweckt, den BAW 212 nochmals wesentlich detaillierter zu betrachten. Wir werden das Fahrzeug deshalb erneut testen. Dieses Mal möchte ich neben unserem eigenen Offroad-Know-how mit Alexander Heß und Carsten Blenz bewusst einen neutralen und markenunabhängigen Profihinzunehmen, der das Fahrzeug aus einer weiteren fachlichen Perspektive beurteilt. Dabei werden wir uns nicht nur damit beschäftigen, wie weit der BAW im Gelände kommt.
Wir wollen genauer hinschauen: Wie ist das Fahrzeug konstruiert? Wie ist die Verarbeitung tatsächlich? Wie sieht es am Unterboden aus? Wie sind Rahmen, Achsen, Leitungen und technische Komponenten ausgeführt? Wie arbeitet der Antriebsstrang? Wie verhält sich das Fahrzeug auf der Straße? Wie arbeitet es unter niedriger Geschwindigkeit und hoher Last im Gelände? Wo liegen seine tatsächlichen Stärken und seine tatsächlichen Grenzen? Genau darum geht es bei dem OAN Testing & Driving.
Nicht darum, ein Fahrzeug schönzureden. Aber genauso wenig darum, ein Fahrzeug durch eine bestimmte Erwartungshaltung, Wortwahl oder Rhetorik schlechter erscheinen zu lassen, als es seinem tatsächlichen Einsatzzweck entspricht.
Mein bisheriges Fazit
Die teilweise kritisierte Gasannahme beim Anfahren ist durchaus wahrnehmbar. Das werden wir nochmals auf der Straße, im Zusammenhang mit unserem Nürburgring-Fahrprogramm und insbesondere im Gelände untersuchen.
Daraus aber grundsätzlich auf eine mangelnde Geländetauglichkeit oder eine zu schwache Motorisierung zu schließen, halte ich für zu kurz gegriffen.
Im Gelände zählen andere Kriterien als bei einer Beschleunigung auf der Straße. Dort geht es um Drehmoment, Übersetzung, Untersetzung, Traktion und vor allem darum, wie kontrolliert sich ein Fahrzeug bewegen lässt. Für mich lautet die interessante Frage deshalb nicht:
„Ist der BAW 212 so hochwertig wie eine Mercedes-G-Klasse?“ Die Antwort darauf dürfte niemand ernsthaft erwarten. Die wesentlich spannendere Frage lautet: Wie viel echter Geländewagen steckt im BAW 212 und wo erkennt man im direkten Vergleich die Unterschiede bei Konstruktion, Verarbeitung, Komfort und Wertigkeit? Genau so sollte man aus meiner Sicht einen solchen Vergleich aufbauen. Nicht den BAW schönreden. Nicht die Mercedes-G-Klasse schlechtreden. Auch nicht versuchen, aus einem rund 40.000-Euro-Fahrzeug künstlich eine G-Klasse zu machen. Sondern Fahrzeuge dort vergleichen, wo ein Vergleich fachlich sinnvoll ist, ihre Stärken herausarbeiten, ihre Einsatzmöglichkeiten zeigen und gleichzeitig Unterschiede und Schwächen offen benennen.
Unsere bisherige Erfahrung im OAN-Fahrtechnikgelände ist jedenfalls eindeutig: Der BAW 212 ist kein Geländewagen, den man nur aufgrund seiner Optik, seiner Herkunft oder seines Preises beurteilen sollte. Man muss ihn fahren. Dort, wo sich ein Geländewagen beweisen muss: im Gelände.
Jörg Sommer
Instruktor & Fahrtrainer
Der BAW 212 geht noch einmal in den Test am Nürburgring
Alexander Heß, Carsten Blenz und Jörg Sommer werden das Fahrzeug erneut gemeinsam unter realen Bedingungen testen ergänzt durch die Einschätzung eines neutralen, markenunabhängigen Testfahrer.
Auslöser sind unter anderem die aktuellen Aussagen von Matthias Malmedie zum BAW 212, die wir in einigen Punkten noch einmal praktisch überprüfen und fachlich einordnen wollen. Im Fokus: Fahrverhalten, Gasannahme, Antrieb, Verarbeitung, Wertigkeit und natürlich die Offroad-Fähigkeiten im OAN-Fahrtechnikgelände am Nürburgring.
Driving & Testing Termin: folgt
Was macht den BAW 212 aus, und wo liegen seine besonderen Stärken?
Dieser Frage gehen Automobilfachmann Alexander Heß, Technikmeister Carsten Blenz und Jörg Sommer gemeinsam nach. Auf der Straße und Nordschleife sowie im Gelände nehmen wir seine Technik, seine Fahreigenschaften und seine Einsatzmöglichkeiten unter die Lupe.
Im Mittelpunkt stehen die Qualitäten des BAW 212: Was bewährt sich im Alltag, welche Fähigkeiten zeigt er abseits befestigter Wege und wie lässt sich sein Potenzial durch sinnvolles Zubehör erweitern?
Gasttester ergänzen unsere Erfahrungen um weitere Perspektiven.
Wir berichten mit Begeisterung für den Geländewagen, fachlichem Blick, unvoreingenommen und unabhängigem Urteil.
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