Das Feuer knistert leise. Die Motoren sind verstummt und im Parc fermé kühlt das Metall unserer Geländewagen langsam aus. Über uns spannt sich ein Sternenhimmel bei Vollmond, der größer wirkt als alles, was uns im Alltag begegnet.
Ich sitze am Lagerfeuer, mit einer Flasche Kölsch in der Hand, und lasse den Tag mit meinen Teilnehmern noch einmal Revue passieren. Jetzt sitzen wir hier. Glücklich müde. Zufrieden mit diesem Gefühl, das sich nur schwer beschreiben lässt.
Während die Flammen tanzen und Funken in den Nachthimmel aufsteigen, frage ich mich, ob sich dieser Moment wirklich so sehr von dem unterscheidet, was Cowboys vor über hundert Jahren erlebt haben. Auch sie saßen nach einem langen Ritt am Lagerfeuer. Hinter ihnen lagen staubige Meilen, vor ihnen unbekannte Wege. Neben ihnen standen ihre Pferde, treue Begleiter, auf die sie sich verlassen mussten. Das Lasso hing griffbereit am Sattel, und die Geschichten des Tages wurden mit Freunden am Feuer geteilt.
Natürlich war ihr Leben härter. Ihre Herausforderungen größer. Ihre Welt eine andere. Doch vielleicht verbindet uns mehr, als uns trennt. Denn Freiheit fühlt sich heute noch genauso an wie damals. Gemeinschaft auch. Das Vertrauen darauf, dass jemand da ist, wenn es schwierig wird.
Unsere Pferde haben heute vier Räder und Allradantrieb. Das Lasso wurde zur Seilwinde und die weite Prärie zu Waldwegen, Gebirgspisten und abgelegenen Schotterstraßen.
Doch wenn das Feuer knistert, wenn Geschichten erzählt werden und wenn über uns dieselben Sterne stehen wie damals, verschwimmen die Unterschiede. Dann zählt nicht, womit wir unterwegs sind. Dann zählt nur, warum wir unterwegs sind.
Die Sehnsucht nach Freiheit. Die Freude am Abenteuer. Die Verbundenheit mit der Natur. Menschen, die den Weg mit uns teilen. Vielleicht sind wir deshalb die Cowboys von heute. Mit Allrad statt Hufeisen. Mit Seilwinde statt Lasso. Gelegentlich, nur für einen Abend am Lagerfeuer, auch wieder mit Cowboyhut statt Cap.
Wir brauchen Cowboyhüte.